Synodaler Weg - Regionenkonferenz am 4./5. Februar2021 (© Synodaler Weg/Rosner)


Der Synodale Weg - was kann er erreichen?

„Lassen Sie uns unsere Kirche gestalten“ – so lautete der vielversprechende Titel der jüngsten online-Konferenz des Syndalen Wegs, die am 5. Februar zu Ende ging. Nachdem dieses Jahr coronabedingt die Frühjahrsausgabe der Pfarrverbandszeitung dialog entfallen muss, wird das Redaktionsteam Sie auf der Homepage über aktuelle Entwicklungen informieren. Den Beginn macht Dr. Reinhilde Lohmöller mit einem Beitrag, in dem sie die bisherigen Aktivitäten des Synodalen Wegs bis zur jüngsten Konferenz für unsere Leserinnen und Leser zusammenfasst und ihre persönliche Sicht dazu darlegt.

Die MHG-Studie sollte im Bereich der deutschen Bischofskonferenz den sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensmitglieder untersuchen. Das interdisziplinäre Forschungsprojekt arbeitete vom 1.12.2014 bis zum 30.9.2018. Die Ergebnisse erschütterten nicht nur die katholische Kirche, sondern auch die Gesellschaft in Deutschland. Sie gaben den Anstoß zur Einrichtung des Synodalen Wegs, der in Zusammenarbeit von Bischofskonferenz und Zentralkomitee der Katholiken in vier Themenforen Probleme bearbeiten sollte, die schon seit längerer Zeit in der Diskussion sind und die Missbrauch und Vertuschung begünstigt haben.

Der Synodale Weg nahm mit der ersten Vollversammlung in Frankfurt am Main seine Arbeit auf. Kurz darauf machten die Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Corona-Pandemie solche Treffen unmöglich und zwangen zur digitalen Kommunikation. Regionenkonferenzen (per Video) fanden am 4.9.2020 statt, eine Synodalversammlung, ebenfalls per Video, am 4./5. Februar 2021. Falls Corona es erlaubt, wird die voraussichtlich letzte Vollversammlung vom 30.9.2021 bis zum 2.10. 2021 stattfinden.

Die überreichliche Berichterstattung über das Corona-Virus und alles, was damit zusammenhängt, scheint seit langer Zeit so ziemlich alle anderen Themen zu überlagern. Infolge des Lockdowns wurde und wird auch die Kommunikation in den Gemeinden sehr erschwert und reduziert, so dass der Eindruck entsteht, als ob die Themen und Anliegen dort nicht wirklich angekommen sind. Wenn man nicht selbst aktiv im Internet sucht (z.B. auf www.synodalerweg.de), ist es schwierig, an die relevanten Informationen zu kommen.

Irritierend sind auch die Äußerungen konservativ orientierter Bischöfe, die sich im Internet mahnend äußern. Selbstverständlich haben sie das Recht auf freie Meinungsäußerung. Ich werde aber den Eindruck nicht los, dass sie auf diesem Wege eine Fortentwicklung der kirchlichen Lehre verhindern möchten.

 

Breiter Vertrauensverlust und landesweite Austritte

Der Regensburger Bischof Voderholzer (Stellv. Vorsitzender der Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz und stimmberechtigtes Mitglied der römischen Glaubenskongregation) gehört zu den deutlichsten Kritikern des Synodalen Wegs. Er hat die Wissenschaftlichkeit der MHG-Studie in Frage gestellt, stellte eine Stimmungsmache gegen Bischöfe in der Gesellschaft fest und sieht Kräfte am Werk, die die Kirche nach den Vorstellungen eines demokratisch regierten Gemeinwesens umgestalten und neu erfinden wollen. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Bätzing, wies die Kritik zurück. Auch der verheerende Umgang des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki mit den Missbrauchsvorwürfen, der Nichtveröffentlichung des juristischen Gutachtens einer Münchner Kanzlei der Umgang mit dem Betroffenenrat und der katholischen Hochschulgemeinde sorgten für erheblichen Unmut. Die Liste lässt sich mühelos fortsetzen. In der Erzdiözese Köln sind die Austrittstermine bereits bis April ausgebucht. Viel Vertrauen wurde nicht nur dort, sondern im ganzen Land verspielt.

Auch wenn die Gruppe der Bischöfe, die für Veränderungen und Weiterentwicklungen offen sind, größer ist, befürchte ich doch, dass die Ergebnisse des Synodalen Wegs viele Hoffnungen und Erwartungen enttäuschen werden.

Am 4./5. Februar kamen beim Synodalen Weg endlich erstmals, womöglich auch aus organisatorischen Gründen, von Missbrauch Geschädigte zu Wort. Das Sprecherteam des Betroffenenbeirats der deutschen Bischofskonferenz monierte zwar, dass man nicht von Anfang an stimmberechtigt am Synodalen Weg teilnehmen konnte, bot aber für die restliche Arbeit den unbedingten Willen zur Mitarbeit an. Angesichts der Tatsache, dass die MHG-Studie der Anlass für den Beginn des Synodalen Wegs war, ist dies schon sehr befremdlich.

Die positiven Seiten des Synodalen Wegs

Es wäre noch sehr viel zum Unterfangen Synodaler Weg zu sagen. Zunächst einmal das Positive. Es gefällt mir, dass bei der ersten Vollversammlung die Teilnehmer*innen ihre Plätze in alphabetische Reihenfolge hatten. Dies half dazu, einander „auf Augenhöhe“ zu begegnen. Ich finde es gut, dass Beobachter*innen aus der Ökumene und aus den Nachbarländern zugegen sind. Bei ihnen gibt es ja ähnliche Probleme. Ich finde auch richtig, dass die zugrunde liegenden Strukturprobleme, kirchenrechtliche Fragen, die kirchlichen Lehren zu Sexualität und Partnerschaft, Frauen in der Kirche und Kontrolle von Macht angesprochen, diskutiert und Veränderungen gefordert werden.

Skeptisch bin ich jedoch, wenn es um die Ergebnisse geht. Zweifellos wird es Etliches geben, was ohne Veränderungen des derzeit geltenden Kirchenrechts möglich ist. Es ist auch nicht zutreffend, dass es sich bei den Themen ausschließlich um Probleme in Deutschland handelt. Es sind Probleme, die mehr oder weniger ausgeprägt auf der ganzen Welt vorkommen. Manches wird sich nur von Rom aus regeln lassen. Für das, was lokal geändert werden könnte, ist jeder Bischof für sein Bistum zuständig. Was ist, wenn er nicht mag?

Mittlerweile ziehen zahlreiche Katholik*innen ihre persönlichen Konsequenzen. Der Vertrauensverlust nimmt zu, die Austrittszahlen steigen. Das, was mich noch bei der Stange hält, ist die Hoffnung, dass sich endlich etwas ändert.

Reinhilde Lohmöller

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