Glockenweihe in St. Philippus am 6. April mit Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg (Bild: R. Kiderle)
Glockenweihe in St. Philippus am 6. April mit Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg (Bild: R. Kiderle)

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Etwa 700 Menschen feiern die historische Glockenweihe in St. Philippus - Fest mit Verabschiedung von Kirchenpfleger Albert Limmer

Am Samstag, den 6. April, hat St. Philippus endlich Glocken bekommen. Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg zelebrierte den Festgottesdienst und weihte anschließend bei strahlendem Sonnenschein die vier neuen Glocken. Am gleichen Tag würdigte die Pfarrgemeinde ihren gerade ausgeschiedenen Kirchenpfleger Albert Limmer.

Zwei Tage nach der Glockenweihe, am 08. April, wurden die vier Glocken mit einem Kran an ihren endgültigen Bestimmungsort, auf den Turm von St. Philippus gezogen.

Bilder von der Glockenweihe am 08. April 2019

Bilder vom Glockenzug am 09. April 2019

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PRESSEBERICHTE

Bayerischer Rundfunk (06.04.019)

Süddeutsche Zeitung (06.04.2019)

Vorberichte:

Hallo München (05.04.2019)

Münchner Kirchenradio (04.04.2019)

Münchner Wochenanzeiger (19.03.2019)

 

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Es war eine Glockenweihe, die dem besonderen Anlass in der Geschichte der Pfarrgemeinde St. Philippus alle Ehre machte: Etwa 700 Menschen kamen am Samstag, 6. April zum Festgottesdienst und der anschließenden Feier ins Pfarrzentrum an der Laimer Westendstraße. Immer im Mittelpunkt die im Pfarrhof mit Blumenschmuck wunderschön dekorierten, vier neuen Glocken für den Turm von Philippus. Spontaner, freudiger Applaus brandete auf, als Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg am Ende des musikalisch mit der „Missa in blue“ gestalteten Festgottesdienstes die Glocken zum ersten Mal anschlug. Graf zu Stolberg gab nach der feierlichen Weihe jeder Glocke einen Schlag und ließ den Ton mit der gebührenden Zeit ausklingen. Der Applaus wiederholte sich noch einmal, als Pfarrer Georg Rieger direkt danach die vier Glocken kurz hintereinander im schnellen Tempo anschlug und so eine erste Melodie erzeugte. Wie die Glocken aus dem Turm heraus klingen, wird das erste Mal in der Osternacht zu hören sein: Am Ostersonntag um kurz nach sechs Uhr wird das Geläut im Turm seine Premiere feiern.

Den Weg dorthin ganz entscheidend mitbereitet hat Sylvia Gräfenstein, die als Initiatorin der Glocken für Philippus in ihrer Festrede vor allem von der Demut sprach. Vor vielen Jahren habe ihr Schwester Hildegard Jansing, Priorin der Missionsbenediktinerinnen zu Tutzing, die Regel des Heiligen Benedikt erklärt und geschlossen, „das oberste Gebot ist dabei die Demut. Das bedeutet Mut, zu dienen“, sagte die Vorsitzende des Glockenausschusses. Lange habe ihr diese Regel nicht in den Kopf gewollt – doch die Gemeinde habe ihr in dem Glockenprojekt Demut gelehrt.

Gräfenstein berichtete, wie sie zunächst eher hochmütig an das Projekt gegangen sei. Und wie ihr dann die ganzen Hürden klargemacht worden seien. Sie habe gelernt, „du dienst den Glocken und Du dienst diesen fabelhaften Menschen in St. Philippus“, sagte Gräfenstein. Bisweilen habe sie sich angesichts der ganzen Verantwortung mutlos gefühlt – doch bei den Sitzungen des Glockenausschusses habe sie in „Gesichter voll glühender Leidenschaft“ geblickt. Im Laufe der Zeit hätten auch den Glocken zunächst skeptisch gegenüberstehende Gemeindemitglieder sich immer mehr engagiert, immer mehr Hände hätten mit angepackt. „Sehr, sehr viel Mut der gemeinsamen Sache zu dienen – das ist Philippus“.

Sylvia Gräfenstein bekam genau wie der bisherige Kirchenpfleger Albert Limmer als Projektleiter zum Dank für den großen Einsatz eine Holztafel mit beim Guss der Philippus-Glocken übrig gebliebener Bronze. Limmer erinnerte in seiner Festrede an den Bau des Pfarrzentrums Anfang der 80er Jahre. Der Ausstattung der Kirche sei damals Priorität eingeräumt worden. Die Kosten für die Kirchenbänke, das Altarbild, die Madonna oder die Orgel – dies läpperte sich so sehr, dass am Ende kein Geld mehr für Glocken da war. „36 Jahre lang war der Turm nur ein visueller Fingerzeig Gottes. Jetzt endlich ist er auch ein akustischer Bote des Glaubens“, freute sich Limmer und dankte den Spendern, die in drei Jahren mehr als 100.000 Euro gegeben haben.

Für den seit rund einem halben Jahrhundert in führender Rolle in St. Philippus ehrenamtlich engagierten 82-Jährigen geht die Bedeutung der Glocken aber weit über die katholische Pfarrgemeinde hinaus. Das Geläut solle in erster Linie liturgischen Zwecken dienen. „Jedoch können Glocken den Menschen auch Vertrautheit und Heimatgefühl vermitteln“, sagte Limmer. Dies hätten auch immer wieder Spender erwähnt, die nicht jeden Sonntag oder vielleicht gar nicht zur Kirche kommen. Außerdem hätten die Glocken auch eine Bedeutung für den Stadtteil. „Die Glocken von Philippus sind auch ein Beitrag zur Traditions- und Kulturpflege in unserem nicht gerade verwöhnten Laim.“

Tatsächlich verdiente sich auch das über Monate vorbereitete Fest zur Glockenweihe einen besonderen Platz in der Kulturpflege. Es war ein Fest, bei dem unzählige Hände mit anfassten. Im Hof des Pfarrzentrums bauten Helfer nach der Glockenweihe einen Biergarten auf, auch der Pfarrsaal war hergerichtet. An verschiedenen Stellen wurde kostenlos Essen ausgegeben, vor der abschließenden Dankandacht konnten sich die Gäste an einem aus zahlreichen gespendeten Kuchen bestehenden Kuchenbuffet stärken. Neben der Weihe der Glocken gab es am Samstag aber noch einen zweiten Anlass zu begehen.

Albert Limmer - Über 40 Jahre Engagement für die Gemeinde St. Philippus

Nach einem Grußwort des früher zur Jugend von St. Philippus gehörenden, jetzigen bayerischen Justizministers Georg Eisenreich (CSU) würdigte die Pfarrgemeinde ihren gerade ausgeschiedenen Kirchenpfleger Albert Limmer. Nach 20 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit im Pfarrgemeinderat – darunter zwei Wahlperioden als Vorsitzender – war er von 1995 bis Anfang diesen Jahres Kirchenpfleger der Gemeinde und ab 2013 auch Verbundpfleger im Pfarrverbandsrat. Pfarrer Georg Rieger sagte, Heiligsprechungen seiner Person lägen Albert Limmer fern – „dennoch sind Sie ein Vorbild im Glauben, Hoffen, Lieben.“

Der Leiter des Pfarrverbandes beschrieb den Geehrten unter Bravo-Rufen der Zuhörer als „ein zupackender Macher“. Halbherzigkeiten gebe es bei Limmer nicht, dessen verschiedensten ehrenamtlichen Aufgaben Früchte getragen hätten und nun mit der Weihe der Glocken ihren krönenden Abschluss erführen. Dabei spielte Rieger auf die Äußerung Limmers an, die Glocken seien ein Bote des Glaubens: „Sie waren und sind selber ein Bote dieses Glaubens – nimmermüde unterwegs, beharrlich und gleichermaßen mit viel Fingerspitzengefühl.“

Dass das Engagement Limmers allen Generationen in Philippus galt, zeigten die Kinder der Kindertagesstätte mit Leiterin Kathrin Geck. Sie führten dem gerührten bisherigen Kirchenpfleger ein Lied auf, für das sie die Buchstaben seines Namens Albert Limmer mit dessen Eigenschaften versahen. Das A für Aktiv, das eine L für Lebensfroh, das andere für Loyal oder das T für Tatkräftig, so würdigten die Kinder ihn. Zur Würdigung seiner Verdienste ließ die Gemeinde eine Ehrentafel anfertigen, die in Zukunft im Pfarrheim hängen wird. Auch Limmer erlebte am Tag der Weihe einen so großen Andrang in Philippus wie nur selten über die vergangenen Jahrzehnte. Das hatte im Festgottesdienst auch Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg angemerkt. Wie voll die Kirche doch sei, obwohl die neuen Glocken doch noch gar nicht läuten, sagte Graf zu Stolberg. Wie voll werde die Kirche dann wohl erst werden, wenn die Glocken läuten, sagte der Weihbischof und schob mit Schmunzeln „wir werden sehen“ hinterher.
Ralf Isermann

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Hintergrundbericht zum Gießen der Glocken am 21. Dezember 2018

Am 21. Dezember, einem Freitag, zur Sterbestunde von Jesus Christus, sollten im Neckartal bei der Firma Bachert vier Glocken für St. Philippus gegossen werden. Es regnete. Auf der Hinreise machten wir einen Zwischenstopp in Bad Windsen, einem kleinen Ort auf einem Hügel, mit Fachwerkhäusern, einer ehemaligen Kaiserpfalz. Nach der Einkehr und einer Stadtführung fuhren wir zu einem nahegelegenen Industriegebiet.

Wir gingen in eine der Fabrikhallen und wurden im Vorraum freundlich begrüßt. In der Fabrikhalle Halle stand ein riesiger, schwarzer großer, brodelnder Ofen, Flammen loderten aus seinem Hals und erhitzten den Raum. Vor dem Ofen war ein circa 40 qm großer eingestampfter Erdhügel, in den Sand waren Rinnen gegraben, die zu kaum erkennbaren runden Formen führten.

Wir Zuschauer standen von einem Absperrband geschützt um den Erdhaufen herum. Fast ehrfürchtig betrachteten wir das lodernde Feuer. Es dauerte eine Zeit bis jemand diese Stille durchbrach. Die Frau des Glockengießers begann laut zu beten. Langsam stiegen fünf große Männer in langen silbernen Aluminium Mänteln auf den flachen Erdhügel. Mit dicken Aluminium-Handschuhen warfen sie glühende Kohle in die Rinnen. Die Kohle wärmte die Rinnen und wurde nach einer gewissen Zeit wieder entfernt. Der Jüngste von den Männern holte einen Staubsauger kniete sich vor die Spur im Sand und begann sie zu säubern.

Dann kam der Glockengießermeister, er ließ aus dem Ofen etwas Zinn und Bronze auf die Erde fließen, prüfte die Konsistenz und schüttelte den Kopf. Jetzt wurde der Ofen stärker eingeheizt. Draußen wurde es bereits dunkel, die Flammen im Ofen loderten, es brodelte und gluckerte, fast drohte der Ofen zu zerspringen. Unsere Kinder gingen weiter weg vom Absperrband, ich suchte mit den Augen einen möglichen Fluchtweg.

Im Raum brannte kein Licht. Nur das Feuer vom Ofen beleuchtete alles, am Querbalkenvor dem Ofen war ein hölzernes Kruzifix. Wieder warteten wir, gefangen von diesem Ereignis und diesem Augenblick. Irgendwann kamen die großen Männer in ihren silbernen Mänteln wieder, wieder legten sie glühende Kohle aus, bereiteten einen angewärmten Weg für die flüssige Bronze und das Zinn. Sechs Glocken sollten gegossen werden, vier für St. Philippus und zwei für eine Kirche in Leipzig. Alle Glocken waren in diesem Erdhaufen vergraben. „Festgemauert in der Erden, steckt die Form aus Lehm gebrannt..“

Wieder nahm der Meister eine Probe, prüfte die Konsistenz und dann endlich, öffnete er eine Klappe im Ofen und die goldglühende Masse floss in die Rinnen, floss bis zu den eingegrabenen Glocken und in die Zwischenräume der Form, alles abgestützt von einer dritten Form, alles festgemauert. Manchmal loderte ein Feuer aus der Glockenform. Die Frau vom Glockengießer erklärte uns, was passiert. Der heiße Brei versank gluckernd in den Formen.

Am Ende wurde es im Raum dunkler, die Formen hatten die Flüssigkeit verschluckt, die Rinnsale kühlten bereits ab,  und wir begannen zu singen: Großer Gott wir loben Dich…. Dann verließen wir unsere Glocken, ließen sie alleine in der Erde zurück. Irgendwann werden sie vom Glockengießer und seinen Mitarbeitern ausgraben, die schützende Lehmhülle wird zerschlagen und erst dann wird sich entscheiden ob das Werk gelungen ist. Ob sich die viele Mühe gelohnt hat. Während das passiert sind wir alle schon lange wieder in München. Ob sie uns zuhause verstehen werden, ob sie zuhause die Glocken gut empfangen werden?

Werden die Glocken in St. Philippus eine willkommene Heimat finden? Sie werden vor Ostern angeliefert, Tod und Auferstehungszeit. Sie werden zur Auferstehung zum ersten Mal klingen - für alle hörbar, auch weit in die Nachbarschaft hinein.
Elisabeth Jatzeck

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