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Miteinander achtsam leben

Sr. Mareille sprach mit der Redaktion von dialog über eine höchst notwendige Kultur der Achtsamkeit - gerade in Zeiten kirchlicher Auseinandersetzungen.

„Die Welt ist Gottes so voll. Aus allen Poren quillt er gleichsam uns entgegen... In allem will Gott Begegnung feiern.“ (A. Delp SJ)

Was für wunderbare Worte, die Alfred Delp kurze Zeit vor seinem Tod im Gefängnis geschrieben hat!

Mich beeindruckt sein unerschütterliches Vertrauen, Gott immer und überall als den Anwesenden und Wirkenden finden zu können.

Ich sehe es als Ausdruck seiner ignatianischen, die ganze Schöpfung umarmenden Spiritualität. Diese Weise, die Wirklichkeit zu deuten, lädt, wie ich finde, zu einer gerade in Zeiten kirchlicher Auseinandersetzungen höchst notwendigen Kultur der Achtsamkeit ein. Denn aus allen Poren quillt Gott uns entgegen... nicht nur aus einigen wenigen und auserwählten oder bereits von mir entdeckten. In allem und mit jedem will Gott Begegnung feiern.

Als Frau in der Kirche und als Ordensfrau nehme ich jedes Bemühen um eine solche Haltung geistlicher Behutsamkeit und des Respekts dankbar wahr. Wie notwendig ist es dafür, dass uns alle dem entgegenstehenden Formen von Macht-Missbrauch und Abwertung anderer auch in spiritueller Hinsicht bewusst werden. Und wenn da vieles schmerzt, ist es doch ein heilsamer Weg.

„Die Welt ist Gottes so voll!“ Ein Christ mit dieser Weltsicht weiß um den in jedem Menschen gegenwärtigen Gott, egal ob Mann oder Frau, alt oder jung, reich oder arm... Er sieht die Kostbarkeit verschiedener Glaubenswege und unterschiedlicher Berufungen. Er begegnet dem anderen auf Augenhöhe. Er weiß ja: Was er Miteinander achtsam leben Heft 15 Oktober 2019 19 Reihe Spiritualität glaubt und wie er betet, resultiert aus lebensgeschichtlichen Prägungen, ist beeinflusst von den geistlichen Lehrer*innen, die ihm begegnet sind, von bereits getroffenen Entscheidungen..., vom ganz persönlichen Wirken Gottes an jedem/jeder Einzelnen. Daraus nährt sich sein Gewissen, das uns alle zu mündigen Christen und Christinnen werden lässt, die sich am meisten dort daheim fühlen werden, wo sie geistlich wachsen und ihre Charismen entfalten können.

Im Pfarrverband findet sich neben unterschiedlichen liturgischen Angeboten eine weite Fülle an Ausdrucksweisen, unseren Glauben zu leben und zu feiern. Alle zusammen umkreisen sie das Geheimnis, das Gott immer bleiben wird. „Kein menschliches Forschen kann das Wesen Gottes ja in seiner ganzen Fülle enthüllen.“ (J.M. Sailer 1830) Deshalb sind wir miteinander auf dem Weg.

(Sr. Mareile Hartl)

 

Kontakt:

Sr. Mareile Hartl

Koordinatorin für offene spirituelle Angebote

E-Mail: Mhartl(at)ebmuc.de

Tel.: 089/744 94 944

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