Pfarrvikar Bernhard Bienlein, Seelsorger im Pfarrverband Laim (Foto: Christopher Martins)


"Wer glaubt ist nie allein" - Im Gespräch mit Pfarrvikar Bernhard Bienlein

Wie geht es unseren Seelsorgern und Seelsorgerinnen in diesen Zeiten? Welche Erfahrungen machen sie ohne Gottesdienste, ohne direkten Kontakt mit den Gläubigen? Was fällt ihnen schwer und welche Hoffnung haben sie für die Zeit nach der Corona-Krise? Hier veröffentlichen wir hier ihre Antworten auf diese und mehr Fragen - heute mit Pfarrvikar Bernhard Bienlein:

1. Herr Pfarrer Bienlein, mit welchen Nöten wenden sich Menschen derzeit an Sie als Seelsorger?
Unter „normalen“ Umständen – Gottesdienste, Veranstaltungen – ergeben sich die Anliegen aus den persönlichen Begegnungen. Da wir leider nicht in „normalen“ Umständen sind, fallen diese Berührungspunkte zur Zeit weg. Dass sich jemand ans Telefon setzt und meine Nummer wählt, um mit mir seine Sorgen zu teilen, kommt eher selten vor (außer in der Telefonseelsorge). Da bin ich ganz dankbar, wenn ich manchmal einen Hinweis bekomme, wer sich vielleicht gerade über einen Anruf von mir besonders freuen könnte, weil er zum Beispiel gerade im Krankenhaus ist.

Obwohl wir ja zur Zeit eher drinnen sein sollen, mache ich draußen sehr schöne Erfahrungen. Auf meinem täglichen Spaziergang im Westpark oder einfach bei einem Gang über den Kirchplatz von St. Philippus begegne ich immer wieder Leuten, die ich kenne. In einem kurzen Plausch – natürlich mit gebotenem Abstand – erzählen wir einander, wie es uns geht. Diese Begegnungen erscheinen mir in Zeiten des „social distancing“ noch wertvoller als sonst.

2. Sehen Sie in der Krise auch eine positive Seite?
 Es gibt nichts Schlechtes, das auch nicht etwas Gutes beinhaltet. Gerade auf diese Erfahrung stoße ich (und auch meine Gesprächspartner) in den oben beschriebenen Begegnungen. Etwa wenn eine Mutter feststellt, dass es schon sehr anstrengend ist, wenn keine Schule ist, aber dass man noch nie so viel Zeit als Familie miteinander verbracht hat.

Den Medien wird ja vorgeworfen, dass sie immer nur Schlechtes berichten. Aber jetzt, wo es wirklich allen Grund dafür gäbe, nehme ich genau das Gegenteil wahr: Es wird über so viele positive Beispiele von Menschen berichtet, die sich der Krise stellen und andere Menschen mitreißen. Oder die Politiker. Die genießen ja (oft zu Unrecht) in normalen Zeiten nicht den besten Ruf. Doch in der Krise ist die Zustimmungsrate enorm. Ich habe den Eindruck, dass wir alle am selben Strang ziehen. Und das tut gut!

3. Wie geht es Ihnen persönlich - als Seelsorger - ohne Gottesdienste, ohne Gemeinschaft?
Persönlich, als religiöser Mensch, komme ich ganz gut damit zurecht. Die Beziehung zu Gott ist ja damit nicht genommen. Ich erinnere an das Wort von Papst Benedikt: Wer glaubt, ist nie allein. Aber als „beruflicher“ Seelsorger habe manchmal den Eindruck, dass mir meine Arbeitsgrundlage entzogen ist. Gottesdienste und Begegnungen mit Menschen sind das A und O in einer Gemeinde. Und die sind jetzt kaum möglich.

Man kann heute vieles mit technischen Mitteln auffangen, mit Video-Übertragungen und Video-Konferenzen. Aber ein befriedigender Ersatz ist das für mich nicht. Ich brauche physische Präsenz. Wir leben in dieser Hinsicht als Kirche weiterhin in einer „Fastenzeit“. Ich freue mich darauf, wenn irgendwann einmal wieder „Ostern“ kommt.

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